Vinello

...wie???  ich habe das Wort...ihr wollt wissen, wie es mir geht? Ja super! Ich gehöre so ziemlich zu den glücklichsten Hunden in dieser Welt. Ich habe ein tolles Zuhause und viele Freunde mit denen ich jeden Tag toben kann und was beinahe das wichtigste ist: es gibt da kleine Menschen, die mich unbedingt brauchen und für die es nur Mittwoch werden kann, wenn ich sie morgens begrüße!
Na, dann erzähle ich euch jetzt wie mein erstes Jahr in meinem neuen Zuhause war und was ich heute so treibe. Also gegen Ende Oktober 2005 brachten mich meine "Pflegeeltern" zu meinem neuen Frauchen. Oh graus - da musste ich schon wieder Abschied nehmen. Dabei hatte ich sie und ihre beiden Hunde gerade so richtig liebgewonnen.


Die Tür fiel zu, sie waren weg, da stand ich nun und fühlte mich wie der einsamste Hund der Welt! Also setzte ich mich hin und heulte so laut wie ich konnte. Ihr dürft es gerne glauben: ich gab alles. Doch leider war ich weder für mein neues Frauchen Sophia noch für ihre Freundin der erste Hund. Die taten doch allen Ernstes so als wäre ich überhaupt nicht da! OK. Das konnte ich mir sparen. Also habe ich erst mal die Wohnung genauestens untersucht....aha also zwei, Nein! drei Katzen wohnten auch hier....
Später musste ich dann noch mal "Gassi machen". In der ersten Nacht wusste ich noch nicht so recht, wo ich schlafen sollte, Hund ist ja schließlich nicht sehr anspruchsvoll, ich musste mich nur entscheiden: ein Platz unterm Tisch, ein erstklassiger Korb und ein Platz vor der Balkontür. Ich entschied mich für den letzteren. Musste mich gerade mal wieder auf so viel Neues einstellen! Dann war die erste Nacht überstanden....am nächsten Morgen ließ mich mein neues Management, gemeint ist Sophia, gleich frei laufen mit den Worten "Wenn du nicht bleiben willst, musst du dir ein neues Zuhause suchen". Ach neeeh, wollte ich gar nicht - war ja bisher nicht schlecht. Klar vermisste ich meine Pflegefamilie! Das war aber auch nur eine kurze Lösung. Natürlich kam ich zurück, als Sophia mich rief. Kein Problem! Damals hieß ich noch Maxi, aber wie ihr seht, sooo grooooß bin ich gar nicht.

Nein, mein „kleines“ Problem zeigte sich erst, als Sophia nach draußen zur Mülltonne ging: die Tür fiel zu und ich musste, ja ich konnte gar nicht anders,  ich bellte und jaulte hinter ihr her! Es war wie ein Zwang: Sophia verließ die Wohnung und ich bellte!!! ohne Punkt und Komma! Wir wussten alle noch nicht, was die nächsten Monate auf uns zukommen sollte. Vier Tage nach meinem Einzug musste Sophia wieder arbeiten. Was soll ich sagen - ich war weit davon entfernt auch nur eine Minute alleine zu bleiben. Ich jaulte ja schon, wenn sie die Badezimmertür verschloss! Sophia steckte mich also kurzerhand ins Auto und nahm mich mit zur Arbeit. Ich sollte nun darin warten.....jaah. Sie schaute zwar ständig nach mir, aber ich musste bellen und jaulen.....da lagen unsere Nerven schon ziemlich blank. Ich bellte und jaulte sechs Stunden ohne Unterbrechung!!!! Niemand, der auch nur manchmal das Haus verlassen und arbeiten muss, kann so einen Hund gebrauchen. Von weiteren Arbeitstagen wussten wir, dass ich auch gerne acht Stunden komplett mit meinem Gebell füllen konnte! Nicht nur, dass das Auto dann total vernebelt war, wann immer Sophia mich besuchte.....  oh, diese ganzen Kauknochen, die ich zur Beschäftigung bekam....irgendwann habe ich die Innenausstattung entdeckt: Sicherheitsgurte sind ein herrliches Spielzeug! Ich habe sie alle geschafft... in nur zwei Stunden! Da war Sophias Hundepädagogik am Ende...huih - sie war richtig wütend! Neben einem Vermögen in Sicherheitsgurte investierte sie dann auch gleich in einen Käfig, gemeint ist ein Reisetransporter, für mich. Hier konnte ich dann zwar noch jaulen, aber keinen weiteren Schaden anrichten! Mittlerweile ist mir der Käfig richtig ans Herz gewachsen und ist zur "VILLA VINELLO" aufgestiegen. Er steht bei uns im Wohnzimmer und ist auch für meine anderen vierfüßigen Mitbewohner ein begehrter Unterschlupf.
Als nächstes suchte Sophia gezwungenermaßen "Tagesmütter" für mich. Glaubt ja nicht, dass ich ihr das einfach machte...Sophias Freundin Brigitte und ihre zwei Hunde hatte ich schon mehrmals getroffen, wir verstanden uns gut und ich hatte sie auch schon in ihrer Wohnung einige Male besucht - nun sollte ich für zwei Stunden dort bleiben. Wieder einmal konnte ich nicht anders und MUSSTE zwei Stunden am Stück jaulen. Nach diesem Besuch waren alle heilfroh, dass ich endlich abgeholt wurde!! Bei meiner anderen Tagesmutter war es ähnlich... . Doch schließlich ließ ich mich auf diesen Deal mit Sophia ein und blieb ganz brav bei den Tagesmüttern, denn eines hatte ich nun auch begriffen: wenn ich nicht ein wenig einlenkte, würde ich hier nicht bleiben können!!! Kein Mensch braucht so einen Haustyrannen!

So, für die Arbeitszeit war ich nun versorgt und ich muss sagen, ich benahm mich vorbildlich. Ronja, die Schäferhündin von Brigitte ist mittlerweile meine beste Freundin und bei meiner anderen Tagesmutter, die ist schon etwas älter, sorge ich für charmante Unterhaltung! 
Aber schließlich musste ich ja lernen auch mal nen Stündchen allein zu bleiben. Sophia übte den ganzen Winter mit mir unermüdlich.....ich weiß gar nicht, wie viele Stunden sie wegen meiner Übungen draußen im Kalten verbringen musste!!! Sophia hat behauptet, so viele Frostbeulen hat sie noch nie gehabt. So ganz langsam blieb ich dann mal ....jaaaaah, so eine kurze Minute ohne Bellen und Jaulen allein. Hund soll ja nichts überstürzen....dem folgten zwei Minuten....An Einkaufen war für Sophia noch lange nicht zu denken....
Schon bald stolperte sie im Internet über sogenannte „Erziehungshilfen“. Da gibt es doch tatsächlich Halsbänder, die bei Gebell Wasserdampf oder Zitronenduft versprühen. So eines durfte ich sehr schnell mein eigen nennen. Was soll ich euch sagen, genauso schnell wie ich es bekam, war es auch wieder verschwunden. Na, gebt es zu, jetzt seid ihr neugierig??? OK....bin auch ein bisschen stolz darauf, denn schließlich lassen sich sehr schlaue Menschen so etwas einfallen....für einen Hund bin ich jedoch ebenso schlau! Genau dreimal hatte ich es in Sophias Abwesenheit um, das Prinzip durchschaut und NATÜRLICH ausgetrickst....hund kann so ein Folterinstrument nämlich binnen kürzester Zeit "leer bellen" - hund muss dazu lediglich einige Male tapfer sein, wenn die Zitro-Fontäne in der Nase kribbelt. Sophias letzte Hoffnung war nun gestorben - ich hab sie ordentlich gefordert, manchmal hat sie mir richtig leid getan. Und mal ganz ehrlich: ich hätte mich wohl an ihrer Stelle vor die "Tür gesetzt"!!!! Trotz dieser Nervereien hatten wir tolle Spaziergänge und sehr erfolgreiche Ausbildungs- und Übungsstunden. Auf jeden Fall musste Sophia mich schon wirklich sehr in ihr Herz geschlossen haben! Wegen mir verzichtete sie oft auf Unternehmungen an denen ich nicht teilnehmen konnte und verbrachte neuerdings die Abende zu Hause, ganz gegen ihre sonstigen Gewohnheiten.
Fast hätte Sophia sich damit abfinden müssen, dass sie nun einen so begnadeten „Terror-Hund“ wie mich hatte, der ihr bisheriges Leben vollkommen auf den Kopf stellte. Aber dann kam Hilfe in Form einer Heilpraktikerin: die fand ein homöopathisches Mittel für mich und nun gab es in punkto Alleinbleiben endlich sichtbare Fortschritte: drei Minuten, vier Minuten.....ach fast hätte ich es vergessen: nachdem ich weniger bellte, begann ich Stück für Stück die Türen zu zerlegen und zwischendurch noch schnell ein bißchen zu bellen! Es war der absolute Zwang: Bellen; Kratzen; Kauen....Sophia hat sich in dieser Zeit immer wieder gefragt: Warum sie sich das mit mir antun musste? Ich weiss gar nicht, woher sie den Optimismus nahm und sicher war, dass am Ende alles gut wird. Ich habe ja selbst nicht dran geglaubt! Auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten mir das Alleinsein näher zu bringen, "lief" ihr ein kleines unscheinbares Ultarschallgerät über den Weg. Also, wenn ich belle, macht dieser kleine Kasten: "prrrrrrrrrrrrrrr" iiiiihhhh....wenig schön in unseren empfindlichen Lauschern!!!! Jeden Beller kommentiert dieser Kasten - keine Chance. Nicht mehr bellen??? Nicht mehr kratzen und kauen!!! So, endlich konnte ich mich ruhig auf meinen Hundeplatz legen und irgendwann auch schlafen....heute kann ich schon vier bis fünf Stunden alleine bleiben und mein Frauchen darf mal wieder abends ausgehen. Jetzt weiß ich, wo ich wohne und das ich hier bleiben darf. Mal nebenbei bemerkt, die Katzen waren auch nicht ohne: eine mochte mich nicht und machte häufiger pi...in meinen Napf und hinterließ ihre Gesch...an allen möglichen und unmöglichen Stellen in unserer Wohnung! Sie hätte liebend gerne auf mich als Mitbewohner verzichtet.

Das ich gleich Ausbildungs- und Übungstunden genoß, habe ich vorhin schon erzählt. Als ich bei Sophia gelandet war, war allen sehr schnell klar, dass ich Kinder über alles liebe und gerne mit ihnen spiele und so machte sich Sophia daran, mich zu einem Therapiehund auszubilden. Ja, hier bin ich ein echtes Naturtalent und so fahre ich seit März letzten Jahres ein bis zwei Tage die Woche mit meinem Frauchen, die ist Lehrerin, in eine Schule für geistigbehinderte Kinder und Jugendliche. Meine Aufgaben sind sehr vielfältig: den schwer behinderten Kindern biete ich durch Ankuscheln; Stubsen, Lecken unterschiedliche Reize und locke sie manchmal für ein paar Augenblicke aus ihrer inneren Welt in das Hier und Jetzt. Da ein Hund nicht auf die Menschensprache angewiesen ist, kann ich mich gut ohne Worte mit diesen kleinen Menschen verständigen. Häufiger muss ich Schüler trösten. An mir lernen sie, wie sich ein Hund verhält und dass man keine Angst haben muss. Ganz nebenbei erwerben die Schüler noch jede Menge Wissenswertes über unsere Spezies und lernen Tiere wertzuschätzen. Viele von ihnen sind sehr stolz auf sich, dass sie mich an der Leine führen können und ich ihren Befehlen gehorche - die werden richtig selbstbewusst! Mit manchen spiele ich nur zu gerne mal Fußball - da geht mein Temperament öfter mal mit mir durch.....Und ansonsten sorge ich stets für beste Unterhaltung und gute Laune auch im Kollegium.

Es ist ein tolle Aufgabe, aber ich habe ein schweres Erbe angetreten: sowohl an der Schule als auch bei Sophia bin ich nicht der erste Therapiehund - aber jeder Hund hat so seine Talente und alle sind mit meiner Arbeit bestens zufrieden. Da ich erst drei Jahre bin, kann ich noch jede Menge lernen. Oft wird Sophia schon zu Wochenbeginn gefragt, ob ich diese Woche auch wirklich in die Schule komme. Viele der kleinen Menschen wissen nicht den Tag zu benennen, aber sie wissen, wann "Vinello-Tag" ist! Ihr seht, ich durfte gar nicht sterben - hier warteten noch große Aufgaben auf mich! 

Bis zu nächsten Mal, Adios, Euer Vinello!

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